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16.10.16

Eine Rudertour mit Ouverture und Nachspiel

Ruderwanderfahrt von Ludwigshafen nach Köln/Düsseldorf vom 25.09. bis 02.10.

Ouverture

Am Sonntagmorgen, dem 25.9., legt der erste Doppelvierer mit St., die 100%Pälzer, vom Bootshaus der Speyerer Rudergesellschaft (RGS) am Hafen in Speyer ab. Da sich herausstellte, dass die Abdeckungen für

das Boot nicht passten, legte die Mannschaft einen Zwischenhalt am neuen Bootshaus im Reffenthal ein. Mit einer halbwegs passenenden Abdeckung erreichte die Mannschaft den Ludwigshafener Ruderverein von 1878 e. V. (LRV) gegen Mittag – später als geplant.

Nach einem Begrüßungsschluck ging das zweite Boot, die Max Planck, zu Wasser. Geringer Schiffsverkehr ermöglichte es uns, die berüchtigte Hemshofschachtel problemlos zu passieren. Die Tour führte uns an der BASF, Worms, Biblis vorbei zum Kühkopf. Dort übernachteten wir im Bootshaus des TSV Darmstadt. Spät, aber nicht zu spät, kamen wir zum Abendessen in der Altrheinschänke, die sich erfreulicherweise gleich neben dem Kanuklub befindet.

Am folgenden Morgen fuhren wir durch das gerade erwachende Naturschutzgebiet Kühkopf und gelangten nach einer Pause im Schiersteiner Hafen nach Eltville. Dort wurden wir erwartet. Nach kurzer Aufwärmzeit erfüllten die drei Venedig-Ruderinnen ihr Versprechen und Ursel sowie Klaus und bewirteten uns mit einem umfangreichen Abendessen, das von Weinen der Region reichlich begleitet wurde.

Die Eltviller

„Da kommen welche von Ludwigshafen nach Eltville gerudert. Die wollen anschließend am Düsseldorfer Rhein-Rudermarathon teilnehmen,“ so hieß es im Frühsommer. „Ei, wann ist denn das? Und wer kommt denn?“ „Au prima, da sind wir dabei.“ „Klaus, Ursel, könnt Ihr uns mit anmelden? Aber bloß nicht für den Rheinmarathon am Sonnabend.So ruderverrückt sind wir auch wieder nicht.“ Gesagt getan.

Am Dienstag, dem 27.9.2016, treffen wir uns alle um 8.30 h am Ruderverein Eltville. Mann, ist das noch kalt. Die Ludwigshafener kommen mit dem Vereinsbus von ihrer Übernachtung in der Jugendherberge Kaub, und laden unser Gepäck ein. Schon wieder viel zu viel mitgenommen, aber man weiß ja nie…. „Ach Du bist´s, wir waren doch schon zusammen auf der Weser letztes Jahr. Hallo, ich bin der Hajo Elsner, wir rudern nachher zusammen nach Köln“, so oder so ähnlichverlief die Begrüßung.

Nun wird es ernst. Ruderer auf die Boote verteilen. Ehepaare nie gemeinsam in dasselbe Boot setzen. „Mannschaft ans Boot!“ Handgepäck in die Boote, dazu noch diverse Köstlichkeiten für die kommenden Picknicks. „Jeder nimmt sich ein Wasser!“ Boote in den Rhein lassen. Einsteigen, Stemmbretter einstellen. Alle vier Boote – die 100%Pälzer, die Max Planck, die Franz Henckel und die Alta Villa – sind klar gemeldet. „In die Auslage, Vorwärts, Los!“ Und ab geht die Wanderfahrt bei km 511 in Richtung Kaub. Die Sonne meint es gut mit uns, die Weinberge haben ihre Herbstfarben angelegt. Erbach und die Hallgartener Zange werden passiert, Geisenheim und das hochgelegene Hildegardiskloster auch. Schon tauchen die Burg Ehrenfels und der Mäuseturm auf und künden vom nahenden Binger Loch. Ein enges, schwieriges Fahrwasser. Dank unserer erfahrenen Steuerleute und der glücklichen Fügung, dass gerade kein Berg- und kein Talfahrer das Binger Loch passieren wollen, können wir es relativ stressfrei durchfahren. Gegen 13.45 h erreichen wir Bacharach am km 529. „Alle Boote legen hier am Sandstrand an. „Aber fahrt von unten rein. Das Wasser ist zu niedrig.“ Die Abdeckung der Franz Henckel dient als Unterlage für Ursel Schwarzens schon legendäres Picknick mit Schinken, Käse, Melonen, Weintrauben, Würstchen von der „anderen Ursel“ - Ursel Ries – selbst gebackener Streuselkuchen und natürlich Weiß- und Rotwein.

- Hm, eigentlich könnten wir doch weiter picknicken, wieso denn weiterrudern? - Doch wir wollen rechtzeitig bei der Jugendherberge in Kaub ankommen. Also einpacken und weiter. Da kommt ja schon die Zollburg Pfalzgrafenstein (die Pfalz) bei Kaub mitten im Fluss, wo einst Marschall Blücher in der Neujahrsnacht 1813/14 mit 35.000 Mann plus Pferden plus Kanonen plus Wagen über den Rhein setzte, um die napoleonischen Truppen zu verfolgen.

Aber zuerst müssen wir noch die Boote bei km 556 im linksrheinischen St.- Goar für die Nacht ablegen. Dazu müssen wir die engste Stelle, die Loreley passieren. Und oberhalb gibt es eine enge Linkskurve, bei der man wegen der Strömung rechts im Fahrwasser rudern muss. Talfahrende Schubverbände müssen mit ihrem Heck ganz weit nach rechts ausschwenken und können uns gefährlich werden . „Ursel, ich glaub´ da kommt grad einer.“ „Druck aufs Blatt.“ Und ab geht’s, noch rechtzeitig vor dem Riesenpott um die Kurve. Erhöhter Puls. Gut gegangen. Boote an Land ablegen, rauf auf die Fähre, rüber auf die rechte Rheinseite. Eine Station mit der Bahn fahren, von St. Goarshausen nach Kaub in den ehemaligen Freistaat Flaschenhals. Zimmer in der Jugendherberge beziehen, frisch machen und zum Abendessen in die „Däuwels Küch“ marschieren. Alla gut, auch die Rheingauer müssen anerkennen, dass das Kauber Getränk durchaus den Namen Wein verdient. Ab jetzt schweigt des Sängers Höflichkeit. „Frühstück morgen um 8. Gute Nacht alle zusammen.“

Mittwoch 28.9.2016

Um 8 Uhr sitzen alle beim Frühstück. Einige schauen noch recht zerknittert drein. „War wohl spät gestern Nacht?“ Im morgendlichen Sonnenschein auf der Fähre nach St. Goar sehen alle wieder ganz passabel aus. Boote ins Wasser und los geht’s rheinab. Vorbei an der Ruine Rheinfels, ein Riesending. Hat bei seiner Zerstörung 2 Wochen lang gebrannt. Jetzt kommt die große Rheinschleife, der Bopparder Hamm mit seiner bekannten Weinlage. Und gegen 12.15h tauchen rechtsrheinisch die drei markanten Schornsteine des Braubacher Blei- und Silberbergwerks auf, anschließend die Marksburg, die einzige unzerstörte Burg am Rhein. Keine Zeit, die originalen Ausstellungsstücke zu besichtigen. Der Magen meldet sich mit leichtem Knurren. „Wann gibt’s Picknick? Wo ist die Lahnmündung? “ Da ist sie schon. Da ist der Ruderverein. Anlegen, Aussteigen, Boote vertäuen. Aus Ursel Schwarzens schier unerschöpflichen Vorrat wird in wenigen Minuten auf einem Tisch am Spielplatz wieder ein köstliches Buffet gezaubert. Alle sind des Lobes voll. Und weiter geht’s Richtung Neuwied. Aber zuerst machen wir noch dem alten Kaiser Wilhelm, dem mit dem Bart, am Deutschen Eck in Koblenz unsere Aufwartung. Wir bewundern die Seilbahn über den Rhein, hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Aber schon heißt es wieder: “Druck am Blatt“, und weiter zu unserem Tagesziel. Gegen 16.30h passieren wir Schloss Engers (Neuwied). Das niemals in Betrieb gegangene Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich lassen wir gegen 17 Uhr linksrheinisch liegen und legen bei km 608 am Steg der Neuwieder Rudergesellschaft an. „Ach du lieber Gott, was ist denn das?“ Eine riesige Treppe führt auf die Deichkrone hinauf und hinter dem Deich wieder runter. „Da müssen unsere Boote drüber. Hajo, pass auf unsere Sachen auf.“ Gesagt getan. Zum Glück ist das Stadthotel nicht weit. Dank der hervorragenden Organisation unseres Fahrtenleiters Dr. Detlef Döhnert können wir unsere Zimmer beziehen und gegen 20 Uhr im Restaurant Deichblick bei der Rudergesellschaft zu einem herzhaften Abendessen und dem ersten Kölsch einfinden. Danach „www.ab-ins-Bett.de“. Nanu, warum schaukelt das Bett so leise vor sich hin? Das liegt nicht am Kölsch. Es sind die Nachwirkungen eines herrlichen Tages auf dem Rhein.

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Donnerstag, 29.9.2016

Die Prozedur mit den Booten erfolgt nun umgekehrt. Sie müssen wie im Musical Anatevka …..eine große Treppe hinauf und - wegen des Niedrigwassers – eine noch viel größere hinab. Heute merken wir, dass die letzten Schönwettertage bezogen auf die Jahreszeit nur geliehen waren. Wolken ziehen auf und der Wind wird etwas garstig. Manchmal geben die Skulls beim Zurückgehen ein eigenartiges Brummgeräusch von sich. Zum Glück regnet´s nicht. Wir passieren die Reste der Brücke von Remagen und die rechtsrheinische Erpeler Ley. Kurz darauf erscheint über dem linken Rheinufer das einstige Wohnschloss des Talkmasters Thomas Gottschalk. Bei km 642 landen wir beim WSV Honnef an. „Wie machen die beiden Ursels das nur? Wie können die am 3. Rudertag noch ein solches üppiges Picknick herzaubern, Wurst, Käse, Schinken, Melonen und frische Brötchen?“ Nicht nachdenken. Zulangen, hmmm.... „Danke an alle Helferinnen.“ Und weiter geht’s den Rhein hinab. Da kommt auch schon der Rolandsbogen, durch dessen Einsturz und Wiederaufbau im 19. Jahrhundert die deutsche Denkmalbewegung im Bewußtsein vieler Bürger verankert wurde. Von Ferne grüßt der Drachenfels mit der Drachenburg. Bei km 653 legen wir an der Pritsche des Bonner Rudervereins an. Boote herausheben. „Mann sind die Rampen steil. Da haben wir es in Eltville doch besser.“ Für die Nacht am Ufer ablegen. Mit dem Vereinsbus auf den Venusberg zur Jugendherberge. Betten beziehen im Vierbettzimmer. Frisch machen und zum Abendessen „zum Spanier“. Es ist knalle-eng und laut. An den Wänden sind Regale voller Weinflaschen. Gekühlte Weine gib´s auch. Jeder nimmt sich die Flasche, deren Inhalt ihm zusagt. Zu essen gibt es typisch spanische Kleinigkeiten, abgerechnet wird zum Schluss. Es wurde ein rauschendes Festmahl.

Freitag, 30.9.2016

Leise Wehmut macht sich breit. Heute ist unser letzter Rudertag. Die Wolken und der Wind tun ihr Übriges. Der Rhein strömt jetzt viel stärker, die Schiffe machen viel größere Wellen, als zuvor. An den Ufern sieht man jetzt viel öfter Industrieanlagen des Rheinischen Reviers. Irgendwo muss der Mehrwert ja erwirtschaftet werden, von dem wir alle leben. Bei km 677 finden wir Obdach auf dem Gelände des Clubs für Wassersport im rechtsrheinischen Porz. Es ist nicht zu glauben, was die beiden Ursels am 4. Rudertag noch auf den Tisch zaubern. „Dat Marlie“ kommt mit einem großen Kuchenpaket vom Bäcker. Herrlich das alles. Ähnlich wie im Film Die Feuerzangenbowle erläutert unser Professor Wolfgang zwischenzeitlich: „Also dat is enne Rettungswest. Un dat is de Kohlensäurepatron.“ Knall, Bumm, Zisch, ein roter Ballon bläst sich auf. „Wer hat an dem jelben Bömmel jezohje?“ Natürlich war´s keiner. Riesengelächter allenthalben. Und nun weiter zur letzten Runde. Der Schiffsverkehr nimmt zu, die Strömung, der Wind und die Wellen auch. Jetzt sind die Steuerleute gefordert, den Wind und die Wellen zu parieren. Bei km 686 erscheinen die alten Kölner Speicher- und die modernen Stapelhäuser.

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Und bei km 688 überragt der majestätische Kölner Dom seit über 1000 Jahren alle Gebäude rings um ihn herum. Faszinierend. Nun aber weiter zum km 695, zum RTHC Bayer Leverkusen. Beim Anlegen gibt es noch mal Herzklopfen. Wir müssen warten, bis wir dran sind. Zwischenzeitlich wirft ein Bergfahrer so hohe Wellen auf, dass wir uns parallel legen und die Bordwand hochstellen müssen. Natürlich werden wir weit abgetrieben und müssen gegen eine ungewohnt starke Strömung wieder anrudern. Et hett juut jejange. Die Franz Henckel, die Alta Villa und Max Planck werden abgeriggert und auf den Transportanhänger verladen. Zum Glück scheint die Sonne wieder. „Bitte antreten zum Gruppenbild! Schön war´s mit Euch. Bis zum nächsten Mal.“ Die 100%Pälzer und die Mary Ann werden für den morgigen Düsseldorfer Rheinmarathon präpariert. Transfer zur Kölner Jugendherberge, Vierbettzimmer beziehen, Frisch machen und los zur Schreckenskammer, einer typisch Kölnischen Altstadtkneipe, wo der Köbes sofort ein neues Kölsch hinstellt, wenn das vorherige ausgetrunken ist. Riesenlärm, aber zum Glück sind wir das von unseren Straußwirtschaften ja gewöhnt.

Ab in die Jugendherbergsbetten und…...der Schnarcher schläft immer zuerst ein. Das ist ein Naturgesetz..

Und auch dieses Mal war es wieder großartig. Den Organisatoren und Helfern, Detlef Döhnert, Ursel und Klaus Schwarz, danken ganz herzlich stellvertretend für alle mit einem sinngemäßen Bodo Bach Zitat: „Vielen Dank für die Mühe, die wir Euch gemacht haben.“

Hajo Elsner, Eltviller Ruderverein

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Die Teilnehmer (von links nach rechts): Wolfgang Graeff (RVBE), Günter Schuff (RGS), Jochen Franz (RVE), Harald Schewski (HRG), Ursel Schwarz (RVE), Wolfgang Slowak (RhK), Steffi Haase-Goos (RGS), Detlef Döhnert (LRV), Ursel Ries (HanMü), Andrea Vogel (RGS), Rainer Sommer (RVE), Harald Brasen (RVE), Reinhold Frank (ERV), Mali Hin (MW), Ellen Brandenburger (BRG), Sabine Hohlbein (RVE), Erika Elsner (RVE), Hajo Elsner (RVE), Klaus Schwarz (RVE); nicht auf dem Foto: Katrin Martinen (WHH), Ulrich Rothe (WHH), Ingrid Kramer-Schneider (RGS), Reinhold Eppel (RGS/LRV)

Nachspiel

Am Freitagabend stoßen Katrin und Ulrich, beide von der Wanderrudergesellschaft Die Wikinger e.V., aus Hamburg zu uns – ist die Mannschaft des Frauen-Vierers mit Steuermann komplett. Die Ruderer und Ruderinnen lernen sich trotz des Lärmes in der Kölner Schreckenskammer kennen.

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Am Sonnabend, beim anschließendem Rhein-Marathon über 42,8 km sind wir mit zwei Booten, einem D4+ und einem D3 gestartet. Der Damenvierer belegte im Rennen 04 – Frauen-Gig-Doppelvierer m. St. (Masters) E, MDA 55 mit 02:44:58 den zweiten Platz und ging genau eine (!) Sekunde nach dem ersten Boot durchs Ziel. Die Freude war riesengroß und erzeugte einen nachhaltigen Motivationsschub.

Der Doppeldreier mit Ellen Brandenburger (Bamberger Rudergesellschaft von 1884 e.V.), Reinhold Eppel und Detlef Döhnert startete im Rennen 23 – Gig-Doppeldreier (Masters M/F oder Mix) C, MDA 43 mit dem LRV-Boot Mary-Ann und erreichte nach 02:36:48 das Ziel.

Erschöpft, aber glücklich freuten sich die Mannschaften über die guten Ergebnisse.

Ouvertüre und Nachspiel: Detlef Döhnert, Ludwigshafener Ruderverein von 1878 e. V.

Termine

29./30.04.
Frühregatta Mannheim
MA-Mühlauhafen
(LRV-Frühschoppen: SO, 11 Uhr)

27.05.-11.06.
Wanderfahrt Vogalonga mit Vor- und Nachtour
Italien

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